München (dpa) - Der Manager des deutschen Radrennstalls Gerolsteiner, Hans-Michael Holczer, unterstützt grundsätzlich die zunehmenden Forderungen nach einem Anti-Doping-Gesetz in Deutschland. Eine gesetzliche Regelung, «die Doping als Straftatbestand einschätzt», nannte Holczer «überlegenswert».
«Ohne einen Apparat, ohne ein funktionierendes System, geht es aber nicht», sagte der Teamchef im Bayerischen Fernsehen einschränkend. Erforderlich sei zugleich der Aufbau einer Infrastruktur für die dann zuständigen staatlichen Behörden, zum Beispiel finanziell. «Man sollte kein Gesetz ohne Netzwerk einrichten», warnte Holczer.
Holczer setzt im Radsport seine Hoffnungen im Anti-Doping-Kampf aktuell mehr auf den internen Ethik-Code, den die Teamchefs der 20 ProTour-Mannschaften zum Abschluss der 93. Tour de France beschlossen hatten. Demnach sollen Fahrer, die begründet des Dopings verdächtigt oder gegen die deshalb juristisch ermittelt wird, in Zukunft für maximal vier Jahre nicht mehr in ProTour-Teams fahren dürfen. «Die lassen wir einfach nicht mehr fahren», sagte Holczer, der auf die Solidarität innerhalb der Branche hofft. «Man muss das Bewusstsein verändern.» Der Ethik-Code wurde jedoch nur mündlich beschlossen.
Der Gerolsteiner-Chef sieht den Radsport nach dem jüngsten Doping- Skandal, in den auch der deutsche Top-Fahrer Jan Ullrich verwickelt war, in einer kritischen Situation. «Vielleicht ist es unsere letzte Chance», sagte Holczer. «Wir haben ein Problem im Radsport, das ich so nicht vermutet hätte», gestand der Teamchef und ergänzte: «Ich lege für keinen die Hand ins Feuer.»
In den Bemühungen um ein Anti-Doping-Gesetz in Deutschland hatte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) am Montag die Anstrengungen der Politik forciert. Er beauftragte die bayerische Justizministerin Beate Merk und Kultusminister Siegfried Schneider, Grundlagen dafür auszuarbeiten. Das Gesetz solle noch in dieser Legislaturperiode in Kraft treten, sagte Stoiber. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, hatte sich zum Ende der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt ebenfalls für schärfere Gesetze vor allem gegen die Hintermänner des Dopings ausgesprochen.