Frankfurt (dpa) - Danilo Hondos Zwischenbilanz nach 13 Tagen Rennbetrieb kann sich sehen lassen.
Als Radprofi auf Bewährung brachte er es auf zwei zweite Plätze bei der Niedersachsen-Rundfahrt hinter Supersprinter Alessandro Petacchi und Rang drei beim zweitwichtigsten deutschen Eintages-Rennen «Rund um den Henninger Turm». Trotzdem wird der 32-Jährige, seit seinem positiven Doping-Befund von März 2005 aktenkundig, sein großes Ziel Tour de France wohl kaum erreichen. «Der Weltverband müsste sich zum Fall Hondo erneut schriftlich äußern», meinte sein früherer Arbeitgeber Hans-Michael Holczer, Manager im Team Gerolsteiner, und verwies auf die anhaltende Rechtsunsicherheit.
Das Thema Hondo sorgt in der Branche offensichtlich für Unbehagen. In Frankfurt saß der Drittplatzierte bei der offiziellen Pressekonferenz auf dem Podium, und allen - außer ihm - schien die Situation ein wenig peinlich zu sein.
Am Vorabend hatte ein Fernseh-Journalist die arrivierten Profis Erik Zabel und Jens Voigt vor laufender Kamera gefragt, ob der neue/alte Arbeitskollege dem ohnehin angeschlagenen Image des Radsports nicht schade. Beide schauten sehr pikiert, Zabel antwortete dünn: «Laut Reglement ist er startberechtigt.» Die Haltung zum Profi aus Ascona ist wie vom Weltverband UCI vorgegeben: Unentschieden.
Nach einem Jahr Zwangspause erlangte Hondo am 17. März die vorläufige Fahrerlaubnis per Einstweiliger Verfügung. Die Hauptverhandlung vor dem Obersten Schweizer Kantonsgericht - wahrscheinlich im Herbst - soll den Fall endgültig klären. Ab 18. April fährt der Sprinter für das drittklassige Lamonta-Team, dem die Türen zur Tour versperrt sind. Auch sein erstaunlicher dritter Platz von Frankfurt hinter Stefano Garzelli und Ciolek dürften als Empfehlung kaum reichen.
Trotz bestätigter Starterlaubnis durch die UCI fühlen sich die 20 Elite-Teams an den «Code de Conduite» gebunden. Der Ehrenkodex verbietet für zwei Jahre die Beschäftigung eines wegen Dopings gesperrten Fahrers, auch wenn die Strafe «abgesessen» wurde. Die UCI wird sich womöglich nicht drängen lassen, sich erneut zu Hondo zu äußern. Damit bliebe ihm zur Beschäftigung nur das Niveau unterhalb der Elite-Teams, obwohl seine Leistungen erstklassig sind.
«Ich habe nach dem ersten Urteil durch den CAS im Januar weiter gekämpft, werde das auch jetzt tun und gebe die Hoffnung, noch vor der Tour ein ProTour-Team zu finden, nicht auf. Jeder Mensch gilt als unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist. Bei mir ist das nicht so», sagte Hondo, der nach seiner Wiedereingliederung bereits wieder zur Doping-Kontrolle gebeten wurde: «Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt per Losentscheid.»