Goricia (dpa) - Ivan Basso wird erst kurz vor dem Start der 93. Tour de France in Straßburg wieder aus der Versenkung auftauchen. Nach seiner Giro-Gala hatte sich der frisch gebackene Vater zunächst vor allem der Familie gewidmet.
Seinen einzigen öffentlichen Auftritt in Italien bestritt er in einer Anhörung vor dem Radsport-Verband Federciclismo. Dort wurde er vom Vorwurf entlastet, Geld für die Gewährung des Tagessieges auf der vorletzten Giro-Etappe von Gilberto Simoni gefordert zu haben. «Ein Ereignis, das nie eines war, ist damit aus der Welt geschafft», war der Kommentar Bassos.
Mitte Juni war der neben Jan Ullrich als Tour-Topfavorit gehandelte Basso die Tour-Etappen in den Alpen abgefahren und hatte danach ein intensives Training unter den strengen Augen seines Team- Managers Bjarne Riis absolviert. «Wir haben viel miteinander geredet und ich weiß jetzt, was Ivan braucht», gab der Teamchef als wichtigste Erkenntnis bekannt. «Es ist nicht einfach, die Form vom Giro zu halten, aber Schritt für Schritt haben wir daran gearbeitet.»
Wie sein Hauptrivale Ullrich ließ Basso die nationalen Titelkämpfe in Goricia aus. «Es war Ivan nicht zuzumuten, nach der Pressekonferenz unseres Sponsors in London gleich am nächsten Tag beim Zeitfahren zu starten. Und der Straßenkurs wäre ohnehin nichts für ihn gewesen», erklärte CSC-Pressesprecher Brian Nygard.
Das Auslassen von Gelegenheiten passt zudem gar nicht zu jenem unerbittlichen Dominator, zu dem Basso während des Giro 2006 mutiert ist. Sein Fernbleiben vom Zeitfahren und dem Straßenrennen vor seiner Haustür lässt daher vermuten, dass er sich vielleicht seiner Form nicht sicher ist oder sich keiner öffentlichen Diskussion darüber aussetzen wollte.
Vielleicht droht eine Tour de France der Zauderer und Zögerer. «Ich denke, ich gleiche Jan in der Hinsicht, dass ich selbst wenig attackiere», sagte Basso in London. Tatsächlich hat sich der privat eher stille Fahrer seine Erfolge bei Tour und Giro vor allem durch seine reaktiven Fähigkeiten erarbeitet. Die Attacke war seine Sache kaum. Sie wird es im Juli aber sein müssen - das weiß auch Basso: «Jans Sieg bei der Tour de Suisse hat mich nicht überrascht. Er ist ein großer Champion und wird bei den beiden Zeitfahren sicher Zeit auf mich herausholen, vielleicht zwei, vielleicht vier Minuten. Diesen Rückstand muss ich in den Bergen wettmachen.»
Der Streckenverlauf ist Basso nicht unbedingt auf den Leib geschnitten: «Es gibt nur drei Bergankünfte und es könnte sein, dass mir unterwegs ein paar Gipfel fehlen.» Doch selbst wenn er mit dem Parcours «nicht zu hundert Prozent zufrieden» ist: Die Tour bleibt für ihn «das größte Rennen der Welt». Nicht alle Landsleute werden ihm zustimmen. Anders als in den Wochen vor dem Giro spielt die Tour in Italien bisher keine Rolle. Die Fußball-WM, der Fußball-Skandal und die roten Ferrari erheischen mehr Aufmerksamkeit. Basso im Gelb Trikot würde das sicher ändern.