Emmen (rad-net) - Die deutsche U19-Mixed-Staffel ist Vize-Europameister. Bei den Titelkämpfen in der niederländischen Region Drenthe war nur Italien schneller als die deutschen Juniorinnen und Junioren - obwohl die durch Sturzpech ausgebremst wurden.
Die Staffel begann eigentlich gar nicht so gut für das Team des Bund Deutscher Radfahrer (BDR). An der ersten Zwischenzeit nach 8,3 Kilometern hatte das Junioren-Trio mit Moritz Bell, Ian Kings und Louis Leidert Bestzeit gefahren und lag fünf Sekunden vor Italien. Doch bei regnerischen Bedingungen stürzten Bell und Leidert. «Wir wussten, dass das eine tückische Stelle ist. Es hatte geregnet und wir sind langsam gefahren, trotzdem sind wir weggerutscht», erzählte Leidert. Bell konnte nicht mehr weiterfahren und musste sogar ins Krankenhaus. Also mussten Leidert und Kings es richten, denn zwei Fahrer müssen ins Ziel kommen, sonst wird die Staffel nicht gewertet. Aber die Pechsträhne war noch nicht beendet. Kurze Zeit später ging Leidert erneut zu Boden, als ihm das Hinterrad wegrutschte. Und wieder rappelte sich der tapfere Juniorenfahrer auf und fuhr das Rennen zu Ende. «Als Louis das zweite Mal gestürzt war, habe ich gewartet, da haben wir noch mal Zeit eingebüßt», sagte Kings. «Wir haben aber bis zum Schluss gefightet.» Allerdings habe er gar nicht auf die Zeit geschaut im Ziel. «Wichtig war doch erst einmal, wie es den Jungs geht.»
Damit fielen sie bis auf Platz sieben zurück und hatten 32 Sekunden Rückstand auf die zu diesem Zeitpunkt führenden Niederländer, als sie nach 19,8 Kilometern an die Juniorinnen übergaben.
Pia Grünewald, Hannah Kunz und Joelle Messemer mussten also viel Boden gutmachen. Und das gelang ihnen, wenngleich sie nach fünf Kilometern auch nur noch zu zweit unterwegs waren. «Ich hatte es mir ein bisschen anders vorgestellt», sagte Messemer, sichtlich nicht voll zufrieden mit ihrer Leistung. Aber auch zu zweit holten Kunz und Grünewald Sekunde um Sekunde auf und nach der Zwischenzeit nach 27,6 Kilometern hatten sie sich schon auf Platz sechs nach vorne gearbeitet, lagen aber dort bereits 23 Sekunden hinter Italien. Alle anderen Mannschaften konnten sie aber noch überholen und wurden mit einer Gesamtfahrzeit von 48:39 Minuten für 38,6 Kilometer Zweite hinter Italien, das noch einmal 25 Sekunden schneller war. Frankreich belegte mit 34 Sekunden Rückstand zu Italien Rang drei.
«Ich habe ihnen nicht gesagt, dass sie weit hinten lagen, das hätte sie nur verunsichert», sagte Juniorinnen-Bundestrainer Lucas Schädlich. Er merkte aber schnell, dass seine Fahrerinnen Zeit gutmachten. «Da habe ich ihnen gesagt, dass sie auf Medaillenkurs sind.» 35 Sekunden holte das Juniorinnen-Trio auf Frankreich auf, über 50 sogar auf die zur Halbzeit führenden Niederländer. Das war ein starker Auftritt.
«Im Ziel haben wir uns gefreut über den Erfolg und waren dann erschrocken, als wir erfuhren, was bei den Jungs passiert ist», berichtete Kunz. Und Grünewald ergänzte: «Es ging eigentlich alles schief, was schiefgehen konnte - außer, dass wir nicht auch noch gestürzt sind. Es hat dennoch mega viel Spaß gemacht.»
«Wir müssen den Mädels dankbar sein, dass sie es gerettet haben», sagte Louis Leidert vor der Siegerehrung, an der Bell nicht teilnehmen konnte, da er sich zu Untersuchungen bereits im Krankenhaus befand.