Andorre-la-Vieille (rad-net) - Der britische Rennstall Ineos Grenadiers hat den Kampf um die diesjährige Tour de France noch nicht aufgegeben. Gabriel Rasch, Sportlicher Leiter der Mannschaft, erklärte jetzt, dass Richard Carapaz, der zurzeit 5:33 Minuten Rückstand auf den Gesamtführenden Tadej Pogacar (UAE-Team Emirates) verzeichnet, bis zur Ankunft in Paris das Gelbe Trikot jagen werde.
Die Fahrer von Ineos Grenadiers zeigten sich auf der gestrigen Pyrenäen-Etappe von Beginn an engagiert. Zunächst brachten sie mit Dylan van Baarle und Jonathan Castroviejo direkt zwei Fahrer in die Ausreißergruppe des Tages, bevor Richie Porte, Geraint Thomas und Michal Kwiatkowski im Hauptfeld die Tempoarbeit übernahmen, mit der Absicht Pogacar zu distanzieren.
Am Port d'Envalira, dem dritten großen Anstieg des Tages, hatten die Profis bereits einen Großteil des Feldes abgehängt, sodass nur eine kleine Favoritengruppe den Berg zusammen überqueren konnte. Aus dieser Gruppe, bestehend aus Carapaz, Pogacar, Rigoberto Urán (EF Education-Nippo), Ben O'Connor (AG2R Citroen) und Jonas Vingegaard (Jumbo-Visma) konnte schließlich zunächst Carapaz einen Nutzen ziehen und am Col de Beixalis eine Attacke setzen. Kurz darauf folgten auch die anderen Profis mit abwechselnden Angriffen, um Pogacar zu distanzieren. Der Slowene zeigte sich von den Versuchen aber unbeeindruckt und kam letztendlich zeitgleich mit der Gruppe ins Ziel und sicherte damit seinen Vorsprung im Gesamtklassement.
«Wir werden es weiterhin versuchen. Es kann immer noch viel passieren und eine Woche bleibt uns noch», erklärte Rasch gestern nach der Etappe in Andorra. Die anderen Fahrer seien zwar eine starke Konkurrenz, doch das Vertrauen in Carapaz sei in der Mannschaft unerschüttert: «Er ist wirklich gut. Er will weiterkämpfen und vielleicht können wir bei den Bergankünften etwas anderes versuchen.»
Mit der gestrigen, aggressiven Fahrweise seiner Mannschaft zeigte sich Rasch zufrieden, auch wenn es am Ende des Tages lediglich dazu reichte, Guillaume Martin (Cofidis) zu distanzieren: «Genau das war unser Plan. Wir wollten in den Höhenlagen Druck ausüben und dies dann nutzen, aber leider hatten wir ein bisschen zu viel Gegenwind. Am Ende war es zwischen Carapaz, Urán und Vingegaard. Im Finale war es dann wie bei einem Katz-und-Maus-Spiel.»
Ob seine Mannschaft die soliden Leistungen von Pogacar bis zum kommenden Sonntag noch einmal in Frage stellen könne, ließ Rasch weitestgehend unbeantwortet: «Er sieht stark aus, er sieht wirklich stark aus. Vingegaard und Urán sind aber auch stark, also lasst uns sehen, was in der nächsten Woche auf uns zukommt. Wir werden weiterkämpfen.»