Forst (rad-net) - Nationalfahrerin Romy Kasper wird in der neuen Saison nicht mehr in der WorldTour fahren. Doch auf dem Rennrad wird sie weiter unterwegs sein: Stattdessen wolle sie sich künftig voll auf Gravelrennen konzentrieren.
Seit 2007 war Kasper im Profi-Peloton unterwegs. Ihre Karriere begann beim deutschen Frauen-Profiteam Nürnberger, weitere Stationen waren unter anderem Boels-Dolmans, Alé-Cipollini, Jumbo-Visma, AG Insurance-Soudal-Quick Step und zuletzt Human Powered Health. In dieser Zeit bestritt sie mehrmals alle drei GrandTours - und schreckte auch nicht davor zurück, alle drei innerhalb einer Saison zu bestreiten - sowie unzählige Klassiker. Die gebürtige Forsterin ist vor allem als treue Helferin bekannt, die ihre Kapitäninnen, zu denen Superstars wie Elizabeth Deignan oder Marianne Vos gehörten, aus dem Wind hält und perfekt in Position bringt, weshalb ihre Erfolgsliste nicht leer, aber eher schmal ist. Doch was für sie zählt, sind die gemeinsamen Erfolge mit dem Team, zu denen sie beigetragen hat. Eigene Siege feierte sie unter anderem mit dem Gewinn einer Etappe der prestigeträchtigen Thüringen-Rundfahrt oder der tschechischen Tour de Feminin; außerdem belegte sie bei der Ladies Tour of Qatar Rang zwei in der Gesamtwertung und holte bei Deutschen Meisterschaften auf der Straße und Bahn einige Medaillen.
Doch nun soll in der WorldTour Schluss sein. Die Entscheidung fällte Kasper bewusst. «Ich hatte Angebote, weiterhin in der WorldTour zu fahren, aber irgendwann ist mal Schluss und ich habe mich für Gravel entschieden. Ich habe im Straßenradsport so ziemlich alles gesehen, war bei allen drei Landesrundfahrten am Start, habe die großen Klassiker gefahren, genauso wie etliche Welt- und Europameisterschaften und war bei den Olympischen Spielen dabei», resümiert Kasper, deren liebstes Rennen Paris-Roubaix ist, bei dem sie in fünf Austragungen viermal in die Top-20 fuhr.
«Ich habe viele schöne Profijahre erlebt, an die ich mich gerne stolz zurückerinnere. Der Radsport hat mir extrem viel gegeben, denn neben dem bloßen Rennenfahren, lernt man auch Menschen und Länder kennen - und man lernt fürs Leben», so Kasper. Als ihr schönstes Erlebnis nennt sie die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. «Das wahr definitiv ein wahr gewordener Traum, es war einfach großartig - sowohl was die Atmosphäre beim Rennen als auch im Olympischen Dorf angeht sowie das ganze Drumherum», erinnert sich Kasper gerne zurück.
«Der Frauenradsport hat sich während meiner 18 Jahre als Profi massiv verändert, ist viel professioneller und die Leistungsdichte viel größer geworden», erklärt Kasper, die sich dadurch auch entsprechend stetig weiterentwickelt hat. «Aber die Anforderungen an die Sportlerinnen sind auch höher geworden - womit einige nicht einfach zurechtkommen und ihrem Körper viel zu viel zumuten, indem sie zum Beispiel ihr Gewicht viel zu sehr reduzieren und vergessen, ihm die nötige Energie und Nährstoffe zuzuführen. Das führt vielleicht in ein, zwei Saisons zu Erfolg, doch ich habe viele Fälle gesehen, wo dann durch Erschöpfung das Gegenteil eintritt. Ich kann mit Stolz von mir behaupten, dass ich das Profi-Peloton mit einem gesunden Körper und Geist verlasse», übt die 37-Jährige auch etwas Kritik.
Mit dem Radfahren ist für Romy Kasper aber noch lange nicht Schluss - wenn auch künftig mehr oder weniger in Eigenverantwortung. Nachdem sie in den vergangenen beiden Saisons schon das ein oder andere Gravelrennen bestritt, will sie in dieser noch recht jungen Disziplin nun voll angreifen. Ihre Aussichten dürften ganz gut sein, denn bei ihrem Debüt in der UCI Gravel World Series 2024 gewann sie direkt das Houffa Gravel in Houffalize (Belgien) und belegte ein paar Wochen später einen starken fünften Platz bei der WM. In diesem Jahr wurde sie Dritte bei der Deutschen Meisterschaft sowie beim 3Rides in Aachen, das ebenfalls Teil der UCI Gravel Series ist. Bei der EM fuhr sie auf den sechsten Platz, bei der WM kam sie nach einem langen Tag als Ausreißerin als Zehnte ins Ziel.
In der Zwischenzeit waren auch Gravelteams und Ausrüster auf Kasper aufmerksam geworden, «sodass mir die Entscheidung, vom Straßen- aufs Gravelrad zu wechseln, extrem leicht fiel». Die Gravelrennen wird sie künftig für das dänische Team PAS Racing bestreiten. Und ihre neue Liebe zum Gravel kommt nicht von Ungefähr: «Genauso wie Paris-Roubaix, sind Gravelrennen offene und ehrliche Radrennen, bei denen jeder gegen jeden fährt - und das liegt mir», so Kasper, die sich auf die neuen Herausforderungen freut.
In ihrem Rennprogramm für die kommende Saison stehen alle großen Gravelrennen, wie das legendäre Unbound in den USA oder The Traka in Spanien. «Dort will ich natürlich gute Ergebnisse einfahren. Weitere Ziele sind die WM und EM.» Ihr erstes Saisonrennen bestreitet sie Mitte Februar beim zweitägigen Santa Vall, Teil der Gravel Earth Series, in und um Sant Gregori in Spanien.
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